Nie zu alt…

Hallo.

Long time no see. Ich weiß. Der Alltag hier ist einfach so normal geworden, dass ich ganz vergesse auf der anderen Seite der Welt zu sitzen. Seht es mir bitte nach.

Heute möchte ich von zwei Begegnungen erzählen, die ich inspirierend finde. Sie sind beide sehr ähnlich, denn sie handeln von meiner Bewegnung mit zwei Männern. Zwei älteren Herren, um genau zu sein.

Geschichte Nr.1

Ich war letzte Woche mal wieder in meiner Lieblingsbar in Shinjuku. Es ist eine Karaokebar, in der sich sowohl Ausländer als auch Japaner, Tokyoter wie auch Touristen tummeln. Ich bin gerne dort, weil man jedes Mal vertraute Gesichter sowie neue Gesichter sieht und mit einem Lied ohne Probleme ein Gespräch beginnen kann.

So stand ich also alleine in der Bar während ein älterer Herr einen japanischen Oldie trällerte, den ich zufällig kannte. Ich tippte ihn an und fragte, ob ich mitsingen darf. „Aber klar.“ Das Eis war gebrochen.

Nach dem Lied begannen wir ein Gespräch. Er erzählte mir, er sei aus dem Norden Japans (Aomori) und zu Besuch in Tokyo, weil seine beiden Söhne hier wohnten. Wir plauderten über dies und das, ich erzählte ihm, dass ich erst letztens in Aomori für das berühmte Nebuta Festival war und wir zeigten uns gegenseitig Fotos auf unseren Smartphones.

Irgendwann stolperten wir über ein Video, dass den Herrn beim Walzertanzen zeigt. Ja, er hätte das mit seiner Tanzlehrerin aufgenommen. Er macht seit 10 Jahren Standardtanz. „Wow, ziemlich gut!“ sagte ich.

Dann zeigte er mir ein anderes Video, in dem er mit Schlittschuhen gekonnt über das Eis läuft. „Das habe ich letztes Jahr angefangen. Demnächst nehme ich an einem Wettbewerb teil.“ Ich schaute ihn entgeistert und begeistert zugleich an. „Das haben Sie vor einem Jahr erst angefangen?? Donnerwetter.“

Im weiteren Verlauf des Gesprächs fand ich heraus, dass der Herr 64 Jahre alt war. 64 Jahre und läuft Schlittschuh wie eine Eins, tanzt dich an die Wand, fängt Fische mit dem Speer im Meer und und und.

Der Herr begeisterte mich, weil es ihm völlig egal war, wie alt er war. Weil er sich nicht von dem Gedanken „in meinem Alter“ abschrecken ließ, noch einmal völlig neue Dinge auszuprobieren.Ich meine, Schlittschuhlaufen mit über 60? Das soll ihm mal einer Nachmachen!

Diese Freude und Lust am Lernen und Testen ist etwas so wertvolles, dachte ich. Ich sollte unbedingt versuchen, es ihm nachzumachen.

 

Geschichte Nr. 2

Heute morgen war ich vor dem Gang in die Arbeit noch schnell etwas im Combini in der Nähe meiner Arbeitsstelle einkaufen. Per Zufall bediente mich heute ein älterer Herr um die 50, der mich die letzten 1,5 Jahre ungefähr 3-4 an der Kasse hatte.

Ich erinnerte mich gut an ihn.

Wieso?

Weil er mich auf Englisch angesprochen hat und zwar mit einer Begeisterung, dass ich nicht anders konnte, als für Ihn das Spiel weiterzuspielen und auf Englisch zu antworten.

Auch heute kam ich an die Kasse und seine erste Frage war, ob ich Japanisch spreche. Ich sagte Ja. Er hatte kurz einen enttäuschten Blick in den Augen und nach ein paar Worten meinte er zu mir, dass er seit längerem Englisch lernt und ungedingt noch mehr lernen wollen würde. Ich sagte, dass ich mich an ihn erinnerte, weil er schon öfter auf Englisch mit mir gesprochen hatte, was er zum Anlass nahm, die Sprache zu wechseln.

Ich habe noch nie jemanden erlebt, der mich so begeistert in einem Combini bedient hat, schon gar nicht auf Englisch. Weil ich so eine Freude daran hatte ihn glücklich zu sehen, antwortete ich ihm auf Englisch in etwas längeren Sätzen und wir wünschten uns ausgiebig gegenseitig einen schönen Tag.

Dieser Herr hatte eine unglaublich positive Ausstrahlung. Menschen wie er sind für den Verkauf geschaffen, glaube ich, denn ihre gute Laune ist ansteckend. Wenn man zudem bedenkt, dass er über 50 sein dürfte, dann ist das vermutlich nicht die Art (und schon gar nicht das Gehalt) was die Gesellschaft so von einem abverlangt. Trotzdessen sprüht er vor Energie und hat Freude am Englisch lernen.

Wenn ich an meine anderen Erfahrungen im Servicebereich denke, dann habe ich meistens eher das Gefühl, dass alle drei Kreuze schlagen, wenn sie merken, dass sie ihr Englisch nicht aus der untersten Schublade holen müssen.

Nun ja, der Herr hatte mir heute morgen auf jeden Fall schon einmal den Tag versüßt und mich dazu animiert, mal wieder einen Blogeintrag zu schreiben.

Stay positive!

Never stop learning!

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s