Badekultur

Nach insgesamt über zwei Jahren in Japan gibt es ja nicht mehr so vieles, was einen überraschen kann. Da fällt es mir sogar schwer, Themen zu finden, bei denen mir die Idee kommt, dass ich davon erzählen will. Vieles ist einfach schon zu normal geworden. Die Tage bin ich aber wieder über einen Lebensbereich gestolpert, der doch ziemlich anders ist – die Badekultur.

Das fängt schon damit an, dass japanische Badezimmer ganz anders ausschauen. Es gibt ein Vorzimmer mit dem Waschbecken und oft der Waschmaschine. Dann steht man vor einer Schiebetür, die in das tatsächliche „Bad“ führt. Die Toilette ist oft seperat, bei kleinen Wohnungen aber nicht immer. In kleinen Wohnungen (glaubt mir, „klein“ hat in Tokyo eher die Bedeutung „winzig“) ist das Bad seeehr kompakt. Da steht das Waschbecken zwischen Klo und Badewanne und mit einem Hebel wird festgelegt, wo das Wasser fließt.

So schauen Bäder in Japan aus (billig und teuer):

 

Apropos Wasser. Man kann in japanischen Wohnungen häufig das warme Wasser abstellen. Im Badezimmer (und bzw. oder in der Küche) gibt es Schalter zur Regulierung, die tatsächlich häufig aus Kostengründen auch genutzt werden. Das hat schon öfter dazu geführt, dass ich bei Freunden einen Aufschrei unter der Dusche getätigt habe, weil ich vergessen habe, den Schalter umzulegen. Danach war ich immer wach.

Wie auf den Bildern zu erkennen ist, gilt die Badewanne als unverzichtbar. Japaner lieben die Badewanne. Während wir (also ich zumindest) einen Gang in die Badewanne eher als Wellness-Special-Programm zelebrieren (vergesst die Duftkerzen und das Champagnerglas nicht ;)) ist das Eintauchen in das heiße Wasser hier an der Tagesordnung. Dabei gibt es aber einiges zu beachten. Erstens muss man sich BEVOR man in die Wanne steigt, ordentlich waschen. Das gilt übrigens auch für öffentliche Bäder, Onsen, Saunas, Wellnessbereiche, etc. in Japan.

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Der Gang in die Wanne erfolgt normalerweise abends. Die ganze Familie geht einer nach dem anderen ins Badezimmer. Da man ja prinzipiell „sauber“ in die Wanne steigt, wird das Wasser auch nicht jedes mal gewechselt, sondern alle baden im gleichen Wasser. Früher hatte das natürlich hierarchische Folgen. Das Oberhaupt der Familie durfte zuerst, die Ehefrau musste als letztes. Wenn sie Pech hatte, war das Wasser bis dahin kalt.

Heutzutage haben die Badewannen alle elektronische Spielereien eingebaut. Angefangen beim Wasser erhitzen über Temperaturregelungen zu eingebauten Sprechanlagen und Fernsehern. Manche Geräte zeigen einem auch an, wie viel einem der Badespaß gerade kostet.

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Vor einigen Monaten gab es einen Artikel, der durch das Internet ging, weil er sich mit der Frage beschäftigte, ob und wenn ja bis zu welchem Alter Eltern mit ihren Kindern gemeinsam in die Badewanne gehen (dürfen). Dabei wurde auch debattiert, ob Väter mit ihren Töchtern baden sollen und wie denn so die Meinungen dazu wären. Ich fand die Diskussion sehr interessant, da auch in Deutschland es von Familie zu Familie unterschiedlich ist, wie mit Nacktheit innerhalb der vier Wände umgegangen wird. Darf die Mama noch ins Bad wenn man die Pubertät erreicht hat oder ist das peinlich?! Diese Diskussion gibt es auch hier, wobei sich kulturell das ganze eben mehr auf das „gemeinsame Baden“ bezieht. Da die Größe von den Badewannen sich hier sehr unterscheiden können (von „Wenn ich meine Knie falte, dann pass ich grade rein“ bis zu „Ich kann ganz untertauchen und die Füße ausstrecken“) ist die Frage in manchen Haushalten schon platztechnisch nie aufgekommen….(Link zum Artikel hier)

Nach dem Badevergnügen kommt das Abtrocknen. Hier haben Japaner auch eine Eigenheit, die deutsche Hausfrauen erst einmal zur Verzweiflung bringt – es wird täglich das Handtuch gewechselt. Ich erinnere mich daran, wie zum ersten Mal eine Japanerin bei mir zuhause für ein paar Tage zu Besuch war und meine Mutter total verwirrt war, warum die Japanerin jeden Tag ihr Handtuch in die Wäsche schmeißt. Selbst meine Mutter, eine überaus reinliche Person, fand dies abstrakt. Ich bin immer noch nicht ganz dahinter gestiegen, warum sie das machen…wissenschaftlich gesehen sollten Handtücher nach drei Tagen gewechselt werden, von täglich ist nicht die Rede.

Nun, wie gesagt, am Abend wird ausgiebig gebadet und der Körper geschrubbt, aber das heißt nicht, dass man deswegen morgens nicht gleich nochmal duschen könnte. Dicke Haare haben nämlich leider die Angewohnheit, nach dem Schlafen in alle Richtungen abzustehen und da kann man kämmen was man will. Somit wird häufig morgens mehr als nur die nötige Katzenwäsche fällig. Viele nutzen inzwischen hierbei nochmal das Handtuch vom Vorabend. Danach muss es dann aber nun wirklich in die Wäsche!

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