Herr Doktor!

Ich schleppe nun seit zwei Wochen eine Halsentzündung mit mir herum, und fröhne damit auch dem Maskendasein. Zwischenzeitlich schien sie mal Richtung Lunge gewandert und dann besser geworden zu sein – bis gestern. Da ging das Ganze wieder von vorne los und ich entschied mich dazu, vielleicht doch mal einen Arzt zu besuchen.

Das mit der Maske könnten sie ruhig auch in Deutschland mal einführen. Jedes Mal, wenn ich auf dem Weg nach München im Zug in der Nähe von jemandem saß, der gequält seine Lunge auszuhusten schien, habe ich mich nach Japan gesehnt. Japaner verwenden die Masken auch gerne als Schutz gegen die Kälte oder in der Heuschnupfenzeit.

Es ist nicht mein erster Arztbesuch in Japan. Tatsächlich hatte ich es 2011 während meines Austauschjahres geschafft, gleich in der dritten Woche meinen Knöchel so zu beanspruchen (extremes Flipflop-Sightseeing), dass ich gleich mal den nächsten Orthopäden besuchen durfte. Das war mein erster Arztbesuch. Mein Japanisch war theoretisch nicht schlecht, praktisch konnte ich aber noch nicht flüssig sprechen. Ich saß dort im Wartezimmer zwischen lauter gebrechlichen JapanerInnen (entschuldigt die Formulierung) und bangte darum, dass der Arzt mich versteht – oder ich eher den Arzt. Im Ende lief alles gut, der Arzt war überaus nett und ich war stolz auf mich, dass ich verstanden hatte, dass mein Fuß NICHT gebrochen ist. Nicht das ich das befürchtet hätte, aber hey, „der Knochen ist nicht gebrochen“ gehört zum höheren Vokabular. 🙂

Heute suchte ich also nach einem HNO-Arzt, der mir sagen sollte, dass ich einen entzündeten Hals habe und mir die nötigen Medikamente verschrieb. Im Internet habe ich die Homepage der Praxis schon einmal durchforstet gehabt und wusste daher, was mich erwarten würde – eine Praxis aus den (vermutlich) 60er Jahren und ein Arzt, der das praktizierende Alter eigentlich schon überschritten hatte…aber für die Erkältungsdiagnose sollte das ausreichen. Alter bedeutet schließlich auch Erfahrung 😉

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Als ich das erste Mal in eine solche Praxis kam (damals war es ein Frauenarzt) war ich schon etwas irritiert. Ich habe in Deutschland noch keine solchen Praxen gesehen. Sie erinnern einen an alte Filme aus den 50er oder 60er Jahren. In gewisser Weise ist es eine kleine Zeitreise.

Nachdem der Arzt mir meine Halsentzündung bestätigt hatte, wurde ich an einen der Inhalationsapparate gesetzt. Das Ding sah nun wirklich aus wie aus den 50er Jahren und erinnerte mich an Asthmabehandlungen aus meiner Kindheit.

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Anschließend ging es in die Apotheke, um meine Medikamente abzuholen. Das läuft tatsächlich anders ab wie in Deutschland. Während wir normalerweise ganze Packungen von Medikamenten kaufen (müssen), erhält man in japanischen Apotheken abgezählte Pillen je nach der Menge, die der Arzt verschrieben hat. Diese werden in weiße Papiertüten verpackt, auf denen allerlei Informationen zu den enthaltenen Medikamenten steht sowie dein Name und andere Informationen. Außerdem erhält man einen Zettel, auf dem alle Medikamente, die man nehmen soll aufgelistet sind. Dazu steht, wann,wie oft und wo gegen man sie nehmen soll. Das finde ich widerum besser als bei uns. Allerdings war ich etwas überrascht, dass ich vier verschiedene Tabletten für eine Halsentzündung nehmen soll – und natürlich eine Mundspülung zum Gurgeln. Na, wenn ich da mal nicht schlecht mit gesund werde…

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