Heimweh

Heimweh… Ich erinnere mich daran, dass im Schullandheim oder auf Sommerfreizeiten immer wieder Leute über Heimweh klagten. Ich gehörte eher selten dazu. Heimweh liegt mir nicht sonderlich. Ich bin gewöhne mich schnell an neue Umgebungen und wenn ich im Urlaub bin, dann nenne ich mein Hotelzimmer „zuhause“. Manchmal führt das zu Verwirrungen, wenn ich ich am zweiten Urlaubstag abends sage „Sollen wir langsam heim gehen?“ und damit das Hotelzimmer meine.

Das soll nicht heißen, dass ich nicht gerne zuhause bin. Um Gottes Willen, nein! Wäre es so, hätte ich es doch keine 26 Jahre so gut dort ausgehalten 😉 Meine Eltern sind die besten, gar keine Frage! Aber es kommt nur selten der Drang, dass ich mir denke, „ich will heiiiiiim!“ Schließlich habe ich mich sehr bewusst für meine Auswanderung nach Japan entschlossen.

Doch manchmal trifft es auch mich. Heute ist so ein Tag, oder genauer gesagt, heute ist schon der dritte Tag.

Der Auslöser ist eigentlich etwas sehr schönes gewesen – mein kurzer Skiurlaub in Nagano währenddessen wir im Haus der Eltern meines Bekannten übernachten durften. Ich war zum ersten Mal dort zu Besuch, aber die beiden Elternteile nahmen mich mit einer Natürlichkeit auf, die mir sofort das Gefühl gab, ich wäre schon häufig da gewesen. Die Mutter meines Bekannten betüttelte mich, war aber nicht übermäßig steif, sondern sehr herzlich und der Vater verhielt sich so, als wenn alles wie immer wäre. Ich hatte sogar das Gefühl, dass werder er noch sie meine Anwesenheit als etwas Außergewöhnliches ansahen. Dies führte dazu, dass ich mich sofort unglaublich wohl fühlte. Ich krabbelte im Wohnzimmer sofort unter den warmen Kotatsu, aß Mandarinen und schaute Fernsehen. Morgens, wenn ich wie verabredet um 6.15 in der Küche stand während mein Bekannter sich wohl noch aus dem Bett quälte, unterhielt ich mich ungezwungen mit der Mutter, legte den Toast in den Toaster und die Tassen auf den Tisch.

Am zweiten Abend hatte sich mein Bekannten in sein Handyspiel vertieft und mir wurde etwas langweilig. So legte ich mich auf den Boden mit den Füßen unter dem Kotatsu und schloss die Augen.

„Sie ist müde vom Skifahren, oder? Wo ist denn das Kissen?“

„Alles ok? Willst du schlafen?“

Ich öffnete meine Augen und sah in die drei Gesichter um mich herum.

„Nein, ich will nicht schlafen. Ich genieße nur gerade das Gefühl von „Zuhause“.“

Sie sahen mich etwas verblüfft an und lächelten. Dann gingen sie ihren vorherigen Tätigkeiten wieder nach und ließen mich weiter ruhen.

Ja, das ist wohl der Grund, warum ich nun Heimweh habe. Ich kam in den kurzen Genuss von einem Zuhause in Japan, dass ich nach zwei Tagen wieder abgeben musste. Normalerweise stört es mich nicht, „alleine“ in Japan zu sein. Ich bin ja normalerweise nicht alleine, aber wenn man in den Genuss von mütterlicher Betüttelung (und leckerem, selbstgekochten Essen) kommt, dann merkt man plötzlich doch, dass 11-12 Stunden Flugdistanz verdammt weit weg sind. Das das Zimmer im Share House eben nur ein Zimmer ist. Das die gewohnte Umgebung, in der man aufgewachsen ist und in denen man sich gegenseitig kennt, etwas Beruhigendes hat. Das der Blick aus dem Fenster auf ein Reisfeld etwas schönes ist, auch wenn man den Großstadttrubel liebt. Das die Umarmung der Eltern einem einfach fehlt…

Ich beneide meinen Bekannten gerade sehr, dass er nur 1,5 – 2 Stunden bis nach Hause braucht und verstehe vielleicht zum ersten Mal so richtig den Nachteil von einem Leben in der Ferne…

 

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4 Gedanken zu “Heimweh

  1. Hallo du 🙂

    ich verstehe dein Heimweh. Und ich bewundere immer noch deinen Mut, dich so total auf das Abenteuer Japan einzulassen.
    Versuche es zu genießen! Du hast da eine Chance genutzt, die man nur extrem selten im Leben hat. Und außerdem ist es ja höchstwahrscheinlich nicht für immer, was das Genießen umso wichtiger macht 😉
    Wir warten derweil brav hier auf dich 🙂
    Fühl dich ganz feste gedrückt!!!!

    Deine Nadine

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