Skifahren in Nagano

Der Frühling steht vor der Tür, alle Japaner um mich herum fangen das Schnupfen an (Heuschnupfen Saison in Japan ist von Februar bis April) und die Schaufenster füllen sich mit Kirschblütendekoration – und ich war immer noch nicht beim Skifahren!!

Wer mich in den zwei Wochen Deutschlandurlaub angetroffen hat, der wird sich vermutlich daran erinnern, dass ich gesagt habe, ich will Skifahren gehen. Dafür habe ich sogar extra meine Skiklamotten noch in den Koffer gequetscht. Nun war es Anfang März und die Zeit wurde knapp.

Ich hatte mit einem Freund ausgemacht, dass wir zusammen nach Nagano zum Skifahren fahren, weil seine Eltern dort wohnen und seine Skisachen dort sind. Leider war von Januar bis Ende Februar mit der Arbeit so beschäftigt, dass selbst die Wochenenden der Firma gehörten. Anfang letzter Woche haben wir es dann aber doch geschafft, endlich unsere Skipläne zu konkretisieren und so ging es am Freitag abend nach der Arbeit mit dem Shinkansen-Schnellzug von Tokyo nach Nagano.

nagano

Auch vor Japan macht die Erderwärmung leider keinen Halt, sodass mir schon vor der Reise angekündigt wurde, dass es dieses Jahr kaum Schnee gibt und es am Sonntag regnen soll. Das war mir aber egal, denn wenn ich schon meine Klamotten bis nach Japan schleppe, dann will ich sie wenigstens einmal auch benutzt haben!

Doch wir hatten Glück! Am Samstag hatten wir strahlenden Sonnenschein und über 10 Grad. Nun gut, die 10 Grad plus waren jetzt nicht so sehr zum Jubeln, aber schönes Wetter ist schönes Wetter. Mein Bekannter suchte uns das Skigelände mit den günstigesten Schneeverhältnissen heraus und auf ging es nach Akakura in der Nachbarpräfektur Niigata.

Angekommen lieh ich mir Ski, Stöcke, Skischuhe und Skibrille und auf ging es in die Berge!

Ich durfte sehr schnell feststellen, dass mein Bekannter ein verdammt guter und etwas waghalsiger Skifahrer ist. Jede Sprungschanze wurde mitgenommen, die schlimmsten Buckelpisten wurden mit Begeisterung bezwungen. Au weeeeh….wie oft stand ich in den letzten 10 Jahren auf den Skiern? Ca. 5-6 Tage? Das gibt Muskelkater. Aber ich muss sagen, ich glaub, ich bin noch nie so schnell diese ekligen Buckelpisten hinuntergekommen. Es ist schon ein Ansporn, wenn die Begleitperson einem davon fährt. Man will ihn ja nicht ewig warten lassen.Bei den schlimmsten Pisten ließ ich ihn allein losziehen und ich nahm die alternative Abfahrt. Am Ende kamen wir ungefähr gleichzeitig am Lift unten an.

Durch das warme Wetter wurde um die Mittagszeit der Schnee ziemlich matschig und wir entschlossen uns, eine kurze Mittagspause einzulegen. Durch die Hitze und die warme Kleidung war uns auch ziemlich heiß und ich lernte erneut Japans kostenlose Getränke (Wasser oder Tee) in Restaurants zu schätzen.

Am Nachmittag fuhren wir dann zurück nach Nagano und abends sollte es in ein kleines Onsen gehen, um die Muskeln im warmen Wasser zu entspannen. Die Mutter meines Bekannten wollte uns begleiten, sodass wir noch etwas Zeit hatten. Er kam dann auf die Idee, den Laden seines Onkels um die Ecke zu besuchen bevor wir losfahren. Sein Onkel hat ein Geschäft, dass traditionelle Figuren für zeremonielle und kulturelle Anlässe verkauft.

Hina-Matsuri-Figuren für den Tag des Mädchens am 3. März

Koi-Flaggen für den Tag des Kindes am 5. Mai

Samuraifiguren und Samuraihelme (genannt Kabuto), um die Geburt des ersten Sohnes zu feiern.

Unser Highlight war die Star Wars Samuraifigur 😉

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Was gerade im Geschäft zum Verkauf ausgestellt wird, hängt von den Saison ab. Am Samstag wurden die Hina-Matsuri-Figuren gerade abgebaut und die speziellen Flaggen für den Tag des Kindes im Mai aufgebaut. Zu Neujahr gibt es bestimmte Neujahrsdekoration und auch im Sommer gibt es wieder andere traditionelle Gegenstände, die saisonal aufgestellt werden. In gewisser Weise ist es zum Teil mit unserer Oster- und Weihnachtsdekoration vergleichbar (wobei die wohl deutlich günstiger ausfällt).

Wer Lust hat, kann ja mal auf der Homepage des Ladens sich umschauen. Es gibt viele Bilder 😉   ->  Ningyou no Murata

Am Sonntag in der Früh nach einem ausgiebigen Frühstück von Mama (was würde ich dafür geben, wenn ich das jeden Tag bekommen könnte) fuhren wir nach Hakuba in Nagano zum Skifahren. Hakuba ist eines der Skigelände, die für die olympischen Winterspiele 1998 verwendet wurden.

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Im Gegensatz zum Vortag waren die Hänge steiler und das ganze Skigelände größer. Außerdem hatten wir Glück mit dem Wetter, dass im Gegensatz zur Vorhersage ebenfalls sonnig und (leider) frühlingshaft warm war. Der Muskelkater in den Beinen war nicht so schlimm wie befürchtet (Onsen sei dank!) und so verbrachten wir einen halben Tag bei schönsten Wetter oben in den Bergen. Neben Japanern ist Nagano auch ein beliebtes Reiseziel für Skifahrer aus der ganzen Welt, besonders aus Australien. Ich war somit umgeben von Englisch sprechenden Ausländern, die klingen wie betrunkene Briten 😉 Vielleicht empfinde aber auch ich nur den australischen Akzent für sehr erheiternd.

Am frühen Nachmittag fuhren wir zurück zu seinem Elternhaus, wo mich eine Überraschung erwartete. Sein Onkel hatte für mich ein Hina-Matsuri-Figurenset vorbeigebracht, um es mir zu schenken! Ich war ziemlich aus dem Häuschen, denn sowas ist ein ziemlich kostspieliges und für eine Japanologin wie mich zudem kulturell sehr wertvolles Geschenk.  Was für ein Glückstag!

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So ging es nach einem letzten leckeren Abendessen zurück zum Bahnhof, wobei sich mein Gepäck dank Essenverpflegung und Figurenschachten nochmal vergrößert hatte. Meine Begleitung hatte zum Glück freie Hände, um mir bis nach Tokyo zu helfen.

Somit habe ich endlich meine Skipläne umsetzen können! Eine Sache von der 2016-TO-DO-LISTE kann damit gestrichen werden.

Aber das ist noch nicht alles! Nächstes Wochenende werde ich mich mit zwei Taiwanesen und einer Indonesierin aus meinem Share House auf dem Snowboard ausprobieren. Das dürfte spannend werden 😉

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3 Gedanken zu “Skifahren in Nagano

  1. Hi du!
    Ich beneide dich ganz schön. Bei mir ist schifahren ausgefallen, weil mein Auto nicht fernstreckentauglich war *grrr*. Schön, dass du Spaß hattest und dir ein schönes Wochenende bereitet hast/wurde 🙂
    lglglg

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    1. Ich war mir nicht sicher, ob wir das mit dem Skifahren noch hinbekommen xD Ich musste hartnäckig bleiben haha Der Kerl arbeitet einfach zu viel.
      Hab an dem Wochenende viel an dich gedacht 🙂
      Ich glaube, ich bin besser gefahren als letztes Jahr (zumindest meinem Muskelkater nach)

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