Nagoya – Teil II

Heute war mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr und morgen geht es für zwei Wochen zurück in die Heimat. Ich freue mich schon sehr, meine Leute vor Ort mal wieder in die Arme schließen zu können. Allerdings ist dieses Mal der Flug zurück nach Deutschland anders als alle bisherigen. Ich fliege nicht zurück nach Hause. Ich mache Urlaub. Am deutlichsten merke ich das am Inhalt meines Koffers. Musste ich sonst immer bangen und schwitzen, dass ich irgendwie in Gottes Namen alle meine Sachen mit nach Hause bringen kann, so besteht mein Koffer dieses Mal nur aus Geschenken. Und etwas Unterwäsche. Die hab ich nämlich zum großen Teil mitgenommen. Mein Kofferpacken sah dementsprechend auch eher so aus: Koffer aufklappen, Tüte mit allen Mitbringseln in den Koffer legen, Koffer schließen. Fertig. Hoffentlich hab ich nichts vergessen?! 😉

Nun zum eigentlichen Thema meines Eintrags – mein zweiter Tag in Nagoya.

Nachdem meine Freundin ausgiebig geschlafen hat („Nur noch 5 Minuten! Dann steh ich auf.“ „Das hast du vor einer Stunde auch schon gesagt.“), ging es gegen 11 Uhr aus dem Hotel. Meine taiwanesische Freundin hat sich den japanischen Reisegewohnheiten schon angepasst und so drehte sich erst einmal alles nur um das Eine – Essen.

Japaner verreisen für ihr Leben gern, doch da wir uns auf einer Insel befinden, sind Auslandsreisen erstmal umständlich. Also wird im Land herumgereist und weil Japaner bzw. Asiaten eine sehr umfangreiche Küche haben, dreht sich 80% der Reise um den Gaumenschmauß. Jeder Ort, jede Sehenswürdigkeit bietet daher spezielle (und natürlich nur dort erhältiche!!) „Köstlichkeiten“ an. Ich schreibe das in Anführungszeichen, weil es manchmal wirklich komische Sachen gibt, oder die lokale Spezialität manchmal so gewöhnlich ist, dass es als Imbissbudenessen durchgehen würde. Natürlich gibt es auch ganz tolle Speisen, keine Frage 🙂

Als ich meinen Freunden und Kollegen erzählt habe, dass ich nach Nagoya fahre, wurden mir keine Sehenswürdigkeiten genannt, sondern was ich alles UNBEDINGT essen muss. Also gut, gehen wir erstmal etwas essen.

Es gab in den zwei Tagen folgende lokale Spezialitäten für meinen Magen:

Miso Katsu 味噌カツ

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Das ist quasi Schweineschnitzel mit Misopaste getränkt. Der Fokus liegt hier auf der Misopaste, das Schnitzel gibt es sonst auch überall.

Kishi Men きしめん und Tenmusu 天むす

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Kishimen sind eine bestimmte Art von Nudeln und Tenmusu sind Reisbällchen mit fritierten Minigarnelen (bzw. Zehnfußkrebsen) darin.

Hitsumabushi ひつまぶし

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Das ist gegrillter Aal mit einer speziellen Mariade. Der Spaß an diesem Gericht ist, dass man den Aal auf drei verschiedene Arten essen soll. Erst einfach so mit Reis, als zweites mit Wasabi und Lauch und als letztes mit Tee zusammen. Hitsumabushi ist wohl die berühmteste Spezialität von Nagoya und leider auch nicht die billigste. Aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat 😉

Mit den vier Gerichten haben wir vorerst die Sache abgehakt. Ich wollte ja eher mal das Schloss in Nagoya besichtigen als mich durch die lokale Speisekarte zu futtern.

So machten wir uns nach dem Mittagessen erstmal zum Schloss auf und betraten das Gelände ein paar Minuten nach 13h. Warum ich das so genau erwähne? Nun, weil wir gerade zur rechten Zeit am rechten Ort waren. Wir trafen nämlich auf eine Japanerin, die freiwillig englische Führungen für ausländische Touristen einmal am Tag anbietet –  um 13h.

Ich lief also durch den Kartenschalter am Eingang und sah schon das Schild mit der Info „Free English Guide – 13h“. „Oh, es ist erst kurz nach eins, vielleicht holen wir die Gruppe noch ein.“ Während ich meinen Blick schweifen ließ, um die Gruppe mit den Ausländern ausfindig zu machen, blieb mein Blick an einer Japanerin hängen, die etwas verloren im Eingangsbereich alleine herumstand. Unsere Blicke trafen sich und ich merkte sofort, dass sie gleich auf mich zuspringen würde. „Excuse me. We offer a free English guide. Are you interested?“ Ich drehte mich zu meiner Freundin um, die gerade durch den Kartenschalter kam und gab ihr auf Japanisch die Info weiter. Die Japanerin sah mich kurz verdutzt an und fragte uns dann beide, ob wir nicht interessiert wären.

„Eeeh, ich will aber nicht auf Englisch ne Führung machen“, maulte meine Freundin (die ganz nebenbei 6 Jahre in London gelebt und studiert hat). „Echt jetzt? Aber die japanische Führung ist erst um halb 2!“ meinte ich. „Aber das is mir zu anstrengend auf Englisch.“ „Ach, aber für mich auf Japanisch nicht?“ „Englisch ist doof.“ „Haaaaah…..“ seufzte ich.

Es war inzwischen gut nach 13h und kein anderer Ausländer in Sicht. Also drehte ich mich wieder zu der Japanerin und fragte sie, ob es vielleicht möglich wäre, die Führung auf Japanisch zu machen und falls etwas unklar ist, eine englische Erklärung nachfolgen könnte. Sie meinte, dass sie ansich auf Englisch reden müsste, aber da ich so offensichtlich „ausländisch“ bin, geht das mit dem Japanisch wohl schon in Ordnung.

Und so bekamen wir eine 2,5-stündige private Führung über das Gelände und durch das Schloss.Die Japanerin war super nett und erklärte uns alles ausführlich. Wir hatten viel Spaß zu dritt.

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Draußen vor dem Schloss trafen wir dann noch eine ältere Dame, die ihre Katze Gassi führte und sie dabei in ein Samurai Kostüm gesteckt hatte.

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Nachdem wir das Schloss ausführlich ausgekundschaftet hatten, gingen wir noch ein bisschen im Schlosspark spazieren. Dort entdeckten wir das nächste Highlight. Eine Schauspiel-Comedy-Gruppe, die dort nach ihrer Show eine kostenlose Zugabe gaben. ( Nagoya Omotenashi Bushotai)

Zum Abschluss des Tages haben wir uns dann die Beleuchtung vom Fernsehturm in Nagoya angeschaut. Gegen halb 8 ging es zurück nach Kanagawa.

 

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