Dienstreise nach Yamagata

Hallöchen!

Ich war vom 11.9. bis 13.9. auf Dienstreise in Yamagata, um dort beim Wochenend-Event des dort ansässigen Hausbauunernehmens „Kandou House“ unser Produkt zu bewerben.

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hat es letzte Woche in Japan alles an Wasser vom Himmel gelassen, was möglich war. Das Gebiet um Nikko (berühmter Sightseeingort) wurde leider überschwemmt, weswegen die Zugstrecke nach Yamagata am Donnerstag vorläufig gesperrt wurde. Ich wusste also erstmal gar nicht, ob ich überhaupt am Freitag mit dem Zug fahren konnte. Gott sei Dank wurde der Zugverkehr genau zu der Zeit, zu der mein Zug fahren sollte, wieder aufgenommen und ich konnte ohne Probleme nach Yamagata fahren.

yamgata
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Yamagata City hat ungefähr die Ausmaße von Augsburg (ähnliche Einwohnerzahl), aber was die öffentlichen Verkehrsmittel angeht, hatte ich das Gefühl ich bin in Hinterfeldtupfing weiß der Geier wo auf dem Land. Da fahren unter der Woche die Buse im Stundentakt (!) und am Sonntag fast gar nicht, sodass ich ein Taxi nehmen musste! Meine Güte! Die Dimensionen hier sind wirklich anders als bei uns. Was in Deutschland schon als „Großstadt“ gilt, läuft hier noch unter „größeres Dorf“.

Allerdings muss ich sagen, dass die frische Luft dort absolut herrlich war. Mir war gar nicht so richtig bewusst, in was für einer Verpestung ich wohne bis ich die kühle Landluft Yamagatas in die Lungen bekam. Ich fühle mich ein bisschen wie zuhause.

Das Event, an dem ich teilgenommen habe, war für ehemalige (und potentiel zukünftige) Kunden von Kandou House ausgerichtet und hatte vor allem Familien mit Kindern als Zielgruppe. Um mich herum wurden Luftballone verteilt und Bastelaktivitäten angeboten. Der Stand neben meinem war besonders beliebt. Dort konnte man Holzdeko basteln. Ich habe mich natürlich auch etwas künstlerisch betätigt 🙂 Außerdem habe ich von der Luftballon-Dame gelernt, wie man einen Hund und einen Pudel aus diesen Luftballonschlangen bastelt! Sie meinte, ich hätte Talent 😀

Wie das so mit Dörfern ist, war ich natürlich der einzige Ausländer weit und breit und wurde demensprechend mit Neugierde betrachtet. Die Mitarbeiter von Kandou House und auch meine Standnachbahrn waren alle sehr, sehr nett zu mir. Der ältere Herr vom Nebenstand hatte eine große Freude daran, Fotos mit mir zu machen und versuchte mich gleich auch noch an seinen jüngeren Mitarbeiter zu verkuppeln. Ich habe dankend abgelehnt.

Am Freitag abend hatte ich ein bisschen Zeit, mir die Stadt anzuschauen (es gab nicht sehr viel zu sehen) und lokale Spezialitäten zu kosten. Yamagata ist berühmt für Kirschen und Birnen. Außerdem scheinen sie viele Kartoffeln zu pflanzen, zumindest ist eines ihrer regionalen Gerichte ein Kartoffeleintopf. Leckeren Schnaps gibt es natürlich auch 😀 Während ich mich in einem Lokal in der Nähe meines Hotels aufhielt, sprach mich ein lokaler Reporter an und interviewte mich kurz, weil er wissen wollte, was um alles in der Welt ich in Yamagata treiben. Falls ihr in der nächsten Zeit eine blonde Ausländern beim Kartoffeleintopf-Futtern in der Yamagata Wirtschaftszeitung seht, das bin dann ich.

Ein bisschen nervig am Ausländerdasein ist es, wenn man als Englisch-Ausprobier-Mensch verwendet werden will. Da kommen dann einfach Menschen an, stellen sich vor dich und sagen zu ihrem Kind „Na, sag mal Hallo auf Englisch zu dem Ausländer. Wink doch mal. Komm, sag was auf Englisch.“ Man fühlt sich wie ein Tier im Zoo, von dem man verlangt, dass es für den Zuschauer ein Kunststück macht, wenn er es sagt. Noch bekloppter kam ich mir vor, als ein Vater, mit dem ich mich vorher schon einige Mal auf Japanisch verständigt habe, irgendwann seinen Kinderwagen in meinen Stand schob und zu seiner ca. 5 Jährigen Tochter, die er noch an der Hand hatte, sagt „Komm, sag mal was auf Englisch!“ Gott sei dank ist sowas eher die Ausnahme als die Regel und da die meisten eh kein Englisch können, sind sie eher froh, wenn sie es nicht sprechen müssen.

Manchmal passiert es aber auch, dass mein Gegenüber so verwirrt ist, dass er gar nicht mehr weiß, in welcher Sprache er mit mir reden soll. Das ist dann witzig. So ging es dem Portier in meinem Hotel in Yamagata. Als ich beim Auschecken meinen Schlüssel auf den Thresen legte, versuchte er mir in mäßigem Englisch zu erklären, dass er meine Rechnung noch ausdrucken muss. Ich erwiderte daraufhin auf Japanisch, dass ich gerne noch ein Taxi rufen würde. Im ersten Moment war er erleichtert, dass ich Japanisch kann, dann aber komplett verwirrt, in welcher Sprache er mit mir reden soll. Es folgte wildes Gestammel. Auch beim Telefonat mit dem Taxiservice war er noch verwirrt, vorallem als ich ihm sagte, er soll dem Taxifahrer einfach sagen, dass er mich daran erkennt, dass ich eine blonde Ausländerin bin, denn daraufhin beschrieb er mich als „ausländische Schönheit“ was mich zum Lachen gebracht hat. Sehr schmeichelhaft. Danke. Der Portier neben ihm fand die ganze Szene auch ziemlich witzig und hat seinen Kollegen danach erst einmal ausgelacht. Der Sonntagmorgen fing damit schon einmal lustig an.

So, das war dann mein Bericht zu meiner ersten Dienstreise. Ich füge noch ein paar Bilder mit hinzu, vor allem vom Event und von den Modellhäusern auf dem Gelände. Ihr wollt bestimmt wissen, was für Häuser die Japaner so bauen 😉

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Mein Abendessen – eingelegtes Gemüse und Kartoffel-Fleisch-Suppe(?)

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Die Innenausstattung der Modelhäuser

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2 Gedanken zu “Dienstreise nach Yamagata

  1. Wenns also mit den Klimaanlagen und so nimmer läuft, hast du schon eine Alternativkarriere in Aussicht 😀 Miriam Kurz fänds sicher toll, wenn tante Bine ihr nen Luftballonzoo baut 😉

    Ich hab evtl. auch bald ne Alternativkarriere. Sonntag ist Hospitieren in einer Einrichtung für Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, damit ich „mal sehen kann, ob ich mir das vorstellen kann“ (O-Ton Einrichtungsleiter) 🙂

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    1. Ich glaub, ich mach mich selbststaendig und biete Treffen mit mir in Cafes und Restaurants auf Stundenbasis inklusive Essen/Trinken an, bei denen ich dafuer bezahlt.werde, dass man sich mit mir unterhalten darf. In welcher Sprache auch immer und freie Gespraechswahl! Es gibt so n aehnliches Geschaeftsmodell von nem 40jaehrigen Japaner, der sich dafuer bezahlen laesst, dass man sich mit ihm trifft und unterhaelt. Quasi als Ratgeberonkel.

      Oh, super! Ich hab schon an dich gedacht und gemeint, dass bei all der Flyechtlingsmisere zumindest deine Jobchancen steigen! 🙂 Ich drueck dir die Daumen!!

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